Es war eine stürmische Herbstnacht in Weimar, und das Hotel K1 leuchtete wie ein sicherer Hafen inmitten des prasselnden Regens und den umherwirbelnden Blättern. Aletta und Rico, die Besitzer des Hotels, saßen an der Rezeption und versuchten, die letzten Aufgaben des Tages abzuschließen.
Die Lobby war ruhig. Die meisten Gäste hatten sich bereits in ihre Zimmer zurückgezogen, und das leise Rauschen des Regens war fast beruhigend. Doch dann, kurz vor Mitternacht, öffnete sich die Tür mit einem heftigen Knarren.
Ein einsamer Reisender trat ein, tropfnass und sichtlich erschöpft. Er trug einen schweren Mantel, der vor Nässe glänzte, und seine dunklen Haare klebten ihm im Gesicht. Guten Abend, sagte Aletta freundlich, obwohl der späte Besucher sie ein wenig aus dem Konzept brachte.
Willkommen im Hotel K1. Wie kann ich Ihnen helfen? Der Mann hob den Kopf und lächelte schwach. Ich brauche ein Zimmer für die Nacht, sagte er leise, fast als ob er sich nicht sicher wäre, ob er wirklich dort war.
Es war eine lange Reise, und ich bin völlig erschöpft. Natürlich, sagte Aletta und griff nach dem Gästebuch. Wie ist Ihr Name? Johann, antwortete der Mann zögernd.
Johann Keller. Aletta registrierte den Namen und nickte. Wir haben noch ein Zimmer frei, Zimmer 13.
Es ist eines unserer ruhigen Zimmer im hinteren Teil des Hotels. Sie werden dort bestimmt gut schlafen. Rico, der bisher still hinter ihr gestanden hatte, warf einen flüchtigen Blick auf Aletta.
Zimmer 13? Das Zimmer war seit einiger Zeit nicht mehr belegt worden, nicht wegen Renovierungen oder eines Defekts, sondern weil es etwas eigenartig war. Doch er sagte nichts und ließ Aletta weitermachen. Aletta gab dem Mann den Schlüssel, und Johann nahm ihn mit einem leichten Nicken entgegen.
Vielen Dank, sagte er und wandte sich zur Treppe. Zimmer 13 befand sich am Ende eines schmalen, leicht verwinkelten Ganges, der kaum beleuchtet war. Die alten Holzvertafelungen knarrten unter seinen Schritten, als Johann die Tür aufschloss und eintrat.
Das Zimmer war schlicht, aber gemütlich eingerichtet. Ein Bett, ein kleiner Schreibtisch, ein Kleiderschrank und ein Fenster, das zum Innenhof hinausging. Johann seufzte tief und legte seine nassen Sachen ab.
Er fühlte sich seltsam müde, als ob die Reise ihn mehr Kraft gekostet hätte, als er zugeben wollte. Er ließ sich auf das Bett sinken und wollte gerade die Augen schließen, als er es hörte, ein leises Flüstern. Er setzte sich auf und lauschte.
Nichts, nur das Geräusch des Regens draußen. Wahrscheinlich nur der Wind, murmelte er und legte sich zurück. Doch kaum hatte er die Augen geschlossen, war das Flüstern wieder da, diesmal deutlicher, näher.
Die Worte waren unverständlich, wie ein fernes Murmeln, das sich hinter den Wänden verbarg. Johann richtete sich erneut auf, jetzt deutlich beunruhigt. Hallo, rief er zögernd, obwohl er wusste, dass er allein im Zimmer war.
Das Flüstern verstummte. Johann stand auf und ging langsam zur Wand, hinter der das Geräusch am stärksten zu hören war. Er legte eine Hand auf die kalte, glatte Oberfläche und lauschte.
Es schien, als ob die Wand lebendig war, als ob sie atmete, als ob etwas hinter den Mauern lauerte. Ein unheimliches Gefühl überkam ihn. Er trat hastig zurück und rieb sich die Stirn.
Du bist nur müde, sagte er sich. Es ist nichts. Er ging zum Fenster und zog die Vorhänge zurück, um einen Blick auf den Hof zu werfen.
Doch zu seiner Überraschung sah er nichts. Nur Dunkelheit, als ob das Fenster direkt in einen endlosen schwarzen Raum führte. Sein Herz begann schneller zu schlagen.
Was zum? Er drückte sein Gesicht gegen das Glas. Doch da war nichts. Kein Innenhof, keine Lichter, keine Gebäude.
Nur Dunkelheit. Plötzlich war das Flüstern wieder da, diesmal lauter und intensiver. Johann wirbelte herum und sah sich hektisch um.
Die Wände schienen zu vibrieren, als ob sie ihn umzingelten. Der Raum schien sich zu verkleinern. Die Luft wurde stickig.
Und das Flüstern verwandelte sich in ein schauriges Kichern. Panisch lief er zur Tür und riss daran. Doch die Tür ließ sich nicht öffnen.
Er zog und zerrte, aber sie war verschlossen. Eingesperrt. Was ist das für ein Wahnsinn? rief er, seine Stimme zitternd.
Er hämmerte gegen die Tür. Doch keine Antwort kam. Der Raum schien ihn zu verschlucken.
Die Flüstern wurden lauter. Die Schatten an den Wänden schienen sich zu bewegen. Die Zeit schien still zu stehen.
Minuten verstrichen wie Stunden. Johann rannte von Wand zu Wand, versuchte ein Fenster, eine Tür, irgendeinen Ausgang zu finden. Aber der Raum blieb gleich, verschlossen, unentrinnbar.
Das Kichern hinter den Wänden wurde lauter. Johann spürte, wie ihm die Kraft schwand. Es war, als würde der Raum ihm die Energie entziehen.
Er sackte auf die Knie und starrte in die Dunkelheit. Lass mich hier raus, flüsterte er heiser. Doch das Flüstern hinter den Wänden antwortete nicht.
Stattdessen begannen die Wände näher zu kommen, als ob sie ihn einhängen wollten, ihn verschlingen wollten. Währenddessen unten in der Lobby. Arletta hatte ein unbehagliches Gefühl, das sie nicht loslassen wollte.
Es war etwas an Johann Keller gewesen, das sie beunruhigte. Als Rico, der gerade im Büro saß, darauf ansprach, runzelte er die Stirn. Zimmer 13? fragte er.
Du weißt doch, dass da etwas nicht stimmt. Das ist Unsinn, entgegnete Arletta, auch wenn sie selbst ein leichtes Unwohlsein verspürte. Wir hatten nur lange keine Gäste dort.
Vielleicht sollten wir nachsehen, schlug Rico vor und erhob sich. Sie gingen zusammen den schmalen Korridor entlang. Als sie vor Zimmer 13 standen, bemerkten sie, dass es merkwürdig still war.
Keine Schritte, kein Rascheln, nichts. Arletta klopfte vorsichtig an die Tür. Herr Keller, rief sie, doch es kam keine Antwort.
Rico versuchte, die Tür zu öffnen, doch auch sie war verschlossen. Seltsam, murmelte er und kramte den Generalschlüssel hervor. Als er die Tür öffnete, trat eine seltsame Kälte aus dem Zimmer.
Und das Zimmer war leer. Kein Gepäck, kein Bett, keine Möbel. Der Raum war komplett leer.
Nur die Wände standen da, kahl und unheimlich. Wo ist er hin? fragte Arletta entsetzt. Er war doch hier.
Doch Rico trat einen Schritt zurück. Vielleicht ist er nie wirklich da gewesen, flüsterte er, während das Flüstern hinter den Wänden erneut zu hören war. Und die Wände? Sie schienen leise zu lachen.
