Es war ein ungewöhnlich lauter Abend im Hotel K1 in Weimar. Die Flure bebten vom Bass einer berühmten Metalband, die an diesem Wochenende in der Stadt auftrat. Das Hotel war voll bis auf den letzten Platz.
„Das wird eine lange Nacht…“
murmelte Aletta, während sie die letzten Schlüssel ausgab. Rico, mit einem Tablett voller leerer Gläser, nickte müde.
„Hauptsache, wir überleben das Frühstück morgen früh.“
Erst gegen drei Uhr kehrte Ruhe ein. Aletta und Rico fielen erschöpft ins Bett und schliefen sofort ein.
Doch mit dem ersten Morgengrauen begann das Unheil. Ein hartnäckiges Klopfen weckte sie.
„Wer klopft denn um diese Uhrzeit…?“
Aletta öffnete die Tür – und sah einen verängstigten Mann mit zerzausten Haaren.
„Meine Freundin ist verschwunden! Sie lag neben mir – jetzt ist sie weg!“
Aletta und Rico tauschten einen alarmierten Blick.
„Vielleicht ist sie schon beim Frühstück?“
„Nein. Ich habe überall gesucht. Ihre Sachen sind noch da.“
In der Lobby warteten bereits mehrere Männer – alle ohne ihre Partnerinnen. Rico zählte durch.
„Das sind alle Männer, die mit ihren Freundinnen eingecheckt haben… aber die Frauen fehlen.“
Die Aussagen waren identisch: Die Frauen waren über Nacht verschwunden. Kleidung, Handys, Schmuck – alles war zurückgeblieben. Nur die Frauen nicht.
„Das ergibt keinen Sinn…“
Rico rannte ins Büro und überprüfte die Überwachungskameras. Stunde um Stunde spulte er durch. Die Gäste kehrten zurück, gingen in ihre Zimmer – und dann: nichts.
Keine Frau verließ das Hotel. Keine wurde irgendwo im Flur gesehen.
„Das ist unmöglich…“
Er sah sich die Aufnahmen erneut an, in Zeitlupe – doch die Frauen blieben verschwunden.
Aletta wartete in der Lobby, umgeben von nervösen, verzweifelten Gästen.
„Wir müssen etwas tun… sie werden bald durchdrehen.“
„Die Kameras zeigen nichts. Niemand hat das Hotel verlassen.“
Ein eiskalter Schauer überlief Aletta.
„Rico… was, wenn es etwas Übernatürliches ist?“
„In Weimar? …Naja… vielleicht.“
Stunden vergingen. Aletta und Rico durchsuchten jedes Zimmer, jede Abstellkammer, jeden Winkel.
Nichts. Die Frauen waren weg.
Gerade als sie die Polizei einschalten wollten, rannte ein Mann in die Lobby, keuchend, bleich.
„Sie… sie sind zurück!“
Aletta und Rico stürmten ihm hinterher. Und tatsächlich: Im Flur standen alle Frauen, verwirrt, blass – aber unverletzt.
„Was ist passiert?“
Eine Frau flüsterte bebend:
„Wir waren plötzlich… woanders. In einem dunklen Raum. Ohne Türen. Ohne Geräusche. Es war eiskalt. Wir wissen nicht, wie wir zurückkamen.“
Die Männer rannten zu ihnen, umarmten sie, doch keine der Frauen wusste, wohin sie verschwunden waren.
Aletta stand neben Rico und flüsterte:
„Was auch immer das war… ich glaube nicht, dass wir jemals eine Antwort bekommen.“
Rico nickte langsam.
„Die Frage ist nur… ob es wieder passiert.“
