Vertauschte Welten im Hotel K1

Es war ein ganz normaler Morgen im Hotel K1 in Weimar. Zumindest dachten Aletta und Rico das. Die Sonne schien, der Kaffee duftete – und alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. Bis Rico die Augen öffnete. Etwas stimmte nicht. Sein Körper fühlte sich anders an.

„Was zum…?“

murmelte er, hob die Hände – und erstarrte. Schlanke Finger. Dezenter Nagellack. Kein Bart. Er rannte zum Spiegel, blickte hinein – und sah: Aletta. Rico war Aletta.

„Oh nein…“

Auf der anderen Seite des Bettes brummte Aletta verschlafen.

„Was ist das für ein Krach, Rico? Lass mich schlafen…“

Dann hörte sie ihre eigene Stimme – nur tiefer. Sie öffnete die Augen, sah ihre Hände – groß, kräftig, haarig. Sie war Rico. Sekunden später standen beide voreinander, blass, verwirrt und völlig überfordert.

„Aletta?“ – „Rico?!“

Ein Moment ungläubiger Stille. Dann fingen beide gleichzeitig an zu reden, zu schreien, zu gestikulieren. Schließlich brachte Aletta – oder vielmehr Rico in Alettas Körper – es auf den Punkt:

„Wir haben die Körper vertauscht!“

Aletta stemmte in Ricos Körper die Hände in die Hüften.

„Das ist nicht witzig. Wie sollen wir so den Tag überstehen?“

Rico – in Alettas Körper – grinste unsicher.

„Naja… immerhin siehst du jetzt mal, wie es ist, ich zu sein. Vielleicht lernst du ja was.“

Aletta funkelte ihn an.

„Oh, das glaubst du? Dann versuch du mal, in High Heels zu laufen!“

Rico sah auf die Schuhe neben dem Bett und verzog das Gesicht.

„Die trägst du wirklich jeden Tag?“

Aletta nickte.

„Jeden. Einzelnen. Tag.“

Kurze Stille. Dann grinste Rico breit.

„Na gut. Dann machen wir das Beste draus. Heute lebst du als ich – und ich als du.“

Und so begann ein Tag, den das Hotel K1 nie vergessen sollte.

Aletta – im Körper von Rico – stand in der Küche und versuchte, Croissants aufzuwärmen. Die Pfanne fühlte sich an, als wöge sie 20 Kilo.

„Wie machst du das jeden Tag? Ich fühl mich wie Hulk!“

Rico – in Alettas Körper – stand an der Rezeption und versuchte, freundlich zu lächeln.

„Guten Morgen… äääh… willkommen…“

Das ältere Ehepaar an der Theke nickte höflich – sichtlich irritiert. Rico seufzte.

„Das war schwierig.“

Der Tag wurde zur komödiantischen Katastrophe: Aletta zerbrach fast die Kaffeemaschine, Rico verwechselte Zimmerschlüssel und Bademäntel, und als er versuchte, in Alettas Schuhen durch die Lobby zu laufen, landete er fast in der Blumenvase.

Am Nachmittag saßen beide erschöpft im Büro.

„Ich nehme alles zurück,“

murmelte Aletta.

„Dein Job ist härter, als ich dachte.“

Rico nickte.

„Und deiner auch. Ich schwöre, diese Schuhe sind Folterinstrumente.“

Sie sahen sich an, erst ernst, dann grinsten beide.

„Wir sind echt ein Chaos-Team, oder?“

In diesem Moment flackerte plötzlich das Licht, ein seltsames Knistern erfüllte den Raum – und mit einem Schlag war alles wieder normal. Aletta sah an sich herunter – ihr Körper, ihre Hände, ihre Stimme.

„Ich… ich bin wieder ich!“

Rico lachte erleichtert.

„Und ich auch! Zum Glück, sonst müsste ich mich morgen rasieren UND schminken.“

Aletta kicherte.

„Nie wieder Körpertausch. Weder wörtlich noch im übertragenen Sinn.“

Rico nickte und reichte ihr die Hand.

„Abgemacht. Und morgen gibt’s Frühstück ohne Chaos.“

Aletta grinste.

„Dann fang du mal mit dem Kaffee an – in DEINEM Körper.“

Und während im Hintergrund die Kaffeemaschine leise schnurrte, kehrte endlich wieder Frieden ein im Hotel K1 – zumindest bis zum nächsten verrückten Morgen.

Ende