Es war ein gewöhnlicher Donnerstagmorgen im Hotel K1 in Weimar. Die Gäste hatten gerade das Frühstück genossen, und Aletta räumte das Buffet ab, als Rico plötzlich mit einem Haufen neuer, schreiend bunter Yogamatten in die Lobby stolperte.
Der Ausdruck in seinem Gesicht schwankte irgendwo zwischen Stolz und Unsicherheit. Aletta stellte die Kaffeekanne ab und musterte ihn misstrauisch.
Rico stellte die Matten ab, atmete tief durch – ganz so, wie er es in seinem neuen Yoga-YouTube-Video gelernt hatte.
Aletta verschränkte die Arme und sah ihn skeptisch an.
Rico verzog das Gesicht.
Aletta unterdrückte ein Lächeln. Sie erinnerte sich nur zu gut an all die anderen Hobbys, die Rico im Laufe der Jahre ausprobiert hatte: Das Gärtnern, die kurze Phase mit den Aquarienfischen und das Mountainbiking – ein Drama für sich.
Rico straffte sich, als hätte sie seine Ehre infrage gestellt, und griff sich eine der Matten.
Sie schob die Tische im Frühstücksraum zur Seite, während Rico sich im meditativen Schneidersitz auf die Matte setzte und tief durch die Nase einatmete.
Rico begann sich langsam nach vorne zu beugen, streckte die Arme aus – und formte etwas, das eher einem strauchelnden Storch ähnelte als einem Hund.
Aletta biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen, doch dann gab Rico ein Geräusch von sich – eine Mischung aus Grunzen und Keuchen.
Rico kämpfte sich aus seiner Hundepose zurück auf die Knie, atmete tief durch und nickte zufrieden.
Etwa fünf Sekunden lang hielt er durch. Dann begann sein Bein zu zittern wie ein Ast im Wind – und ehe Aletta blinzeln konnte, kippte Rico seitlich um.
Aletta hielt es nicht mehr aus. Sie brach in schallendes Gelächter aus.
Rico saß auf der Matte und warf ihr einen beleidigten Blick zu.
Rico stand wieder auf, klopfte sich den Staub von der Hose und hob die Nase.
Rico grinste schließlich doch und schüttelte den Kopf.
Und so verließ Rico den Raum mit der Eleganz eines angehenden Yogis – oder zumindest mit dem ehrlichen Versuch, sie zu haben. Aletta lächelte und dachte bei sich, dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn Rico dieses Hobby wirklich durchziehen würde. Ein bisschen Entspannung konnte im hektischen Hotelbetrieb schließlich nie schaden – so lange er nicht wieder umfiel.
Ende
